Produktivitäts-Booster - Die Kunst, nur eine Sache gleichzeitig zu erledigen
Wer von uns ist nicht auch schon dem Multitasking verfallen, hat mehrere Aufgaben quasi gleichzeitig erledigt und am Ende des Tages das Gefühl gehabt, richtig produktiv gewesen zu sein?
Doch warst du das wirklich?
Mehrere Aufgaben parallel zu erledigen, scheint intuitiv der Weg zu höherer Produktivität zu sein. Nicht zuletzt wird genau dies als erstrebenswertes Ziel in vielen Unternehmen propagiert.
Warum dich Multitasking nicht produktiver macht
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Multitasking dich wirklich produktiver macht.
Was auf jeden Fall stimmt: Durch Multitasking fühlst du dich „on fire“, manchmal sogar „wie in einem Rausch“. Du bist den ganzen Tag beschäftigt und die Zeit fliegt nur so dahin.
Aber kannst du am Ende des Tages sagen, dass du wirklich produktiv warst?
Mehrere Studien legen nach, dass Multitasking die tatsächliche Produktivität senkt. Denn dein Gehirn ist einfach nicht für Multitasking gemacht. Komplexe Aufgaben kann dein Gehirn nicht gleichzeitig bearbeiten. Deine Aufmerksamkeit und deine Denkprozesse erfordern dieselben neuronalen Netzwerke. Und diese sind mit einer Aufgabe schlicht ausgelastet.
Während du das Gefühl des Multitasking hast, springt dein Gehirn in Wirklichkeit nur sehr schnell zwischen den Aufgaben hin und her. Es betreibt Task-Switching. Jeder Wechsel zwischen zwei Aufgaben kostet dich Zeit, die dein Gehirn zur Rückorientierung und Wiederaufnahme der unterbrochenen Tätigkeit braucht. Diese Millisekunden addieren sich im Tagesverlauf. Schätzungen zur Folge verschwenden wir ca. 1/3 unseres gesamten Arbeitstages an Ablenkungen und multitaskingbedingte Ineffizienzen.
Wie viel Zeit verschwendest du in einem Monat, in einem Jahr, in deiner ganzen Karriere? Wie viel mehr wirklich Wertvolles könntest du leisten, wenn du diese Ineffizienzen zumindest ein Stück weit reduzierst?
Darüber hinaus führt Multitasking zu Energieverlust, spürbarem Stress, einer höheren Fehlerrate, schlechteren Entscheidungen und mentaler Erschöpfung.

Multitasking zersplittert deine Aufmerksamkeit
Deine Aufmerksamkeit, die du dem widmen kannst, was gerade vor dir liegt, ist begrenzt. In jedem Augenblick wird dein Gehirn mit Informationen überflutet: Eindrücke, Geräusche, Worte Gedanken etc. Aber es kann sich nur auf einen Bruchteil dieser Informationen konzentrieren. Deshalb ist es entscheidend, dass du deine begrenzte Aufmerksamkeit sinnvoll einsetzt.
Beim Multitasking verteilst du deine Aufmerksamkeit und Energie auf die unterschiedlichen Aufgaben. Versuchst du zwei Aufgaben parallel zu erledigen fokussieren sich deine Aufmerksamkeit und Energie nicht mehr zu 100% auf jede Aufgabe, sondern nur noch zu 50% pro Aufgabe.
Dies hindert dich daran, dich intensiv und in der Tiefe mit deinen Aufgaben auseinanderzusetzen. Was schlussendlich zu mittelmäßiger Arbeit führt.
Stell dir vor du liegst auf dem OP-Tisch und der Herzchirurg geht seiner Arbeit nach. Was würdest du sagen, wenn du siehst, dass er sich nicht voll auf die OP an deinem Herzen konzentriert, sondern gleichzeitig noch den OP-Bericht eines anderen Patienten diktiert?
Würdest du das akzeptieren?
Wahrscheinlich nicht!
Warum akzeptierst du dann Multitasking bei dir?
Nur, weil du kein Herzchirurg, Pilot oder ähnliches bist, heißt es nicht, dass Fokus weniger entscheidend für deinen Erfolg ist. Deine Arbeit verdient denselben Respekt!
Und gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass sich Multitasking so verdammt gut anfühlt. Das ausgeschüttete Dopamin gibt deinem Gehirn einen Kick, der gerade zu süchtig machen kann.
Single-Tasking ist der ultimative Produktivitäts-Booster

Das führt mich direkt zum ultimativen Produktivitäts-Booster: Single Tasking.
Dich nur auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren, ist in unserer heutigen Welt, in der Ablenkungen so einfach und verführerisch sind, eine regelrechte Kunst, die sich für uns im ersten Moment unglaublich langweilig anhört.
Doch es lohnt sich für dich, diese Kunst zu erlernen. Beherrscht du sie, wird sich nicht nur dein Gehirn bedanken, du wirst auch eine deutliche Steigerung in deiner Produktivität beobachten und gleichzeitig mehr Energie haben als früher.
Vielleicht stellst du dir jetzt die Frage: „Wie soll ich mein Arbeitspensum schaffen, wenn ich mich nur noch auf eine einzige Aufgabe konzentriere?“ Und ja, wenn du viel und lange im Multitasking gearbeitet hast, sträubt sich dein Gehirn im ersten Moment gegen die Idee des Single-Taskings.
Wenn du dich jeweils nur auf eine Sache konzentrierst, kannst du viel tiefer in die Materie eintauchen, wirst kreativer und erledigst die Aufgabe mit höherer Qualität. Auf diese Weise richtest du deine Zeit, Aufmerksamkeit und deine Energie – die drei Bausteine von Produktivität – zu 100 % auf die eine Sache.
Denke an deinen letzten unglaublich produktiven Tag zurück: Wie war er gestaltet? Was hast du gemacht? Wie fokussiert warst du? Wie viele Dinge hast du parallel erledigt? Wie vielen Ablenkungen hast du nachgegeben?
Wahrscheinlich hast du dich nur auf eine Aufgabe zur selben Zeit konzentriert und ihr überdurchschnittlich viel Zeit, Aufmerksamkeit und Energie gewidmet. Sehr wahrscheinlich hast du in dieser Zeit auch alle Ablenkungen und abschweifenden Gedanken vermieden und deinen ganzen Fokus auf die Lösung des Problems gelegt.
Die gute Nachricht: Du kannst deinen "Aufmerksamkeitsmuskel" trainieren
Durch die konsequente Anwendung von Single-Tasking kannst du deinen „Aufmerksamkeitsmuskel“ stärken.
Im Jahr 2010 stellten die Harvard-Psychologen Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert fest, dass wir 47 % unserer Wachzeit damit verbringen, über etwas nachzudenken, dass überhaupt nicht mit dem zu tun hat, was gerade direkt vor uns liegt. Die Auswirkungen auf die Produktivität sind enorm: Jemand, der zu 75 % der Zeit aufmerksam ist, wird deutlich produktiver sein als jemand, der sich nur zu 50 % der Zeit auf seine Arbeit konzentriert.

Single-Tasking hilft dir dabei, deine Aufmerksamkeit zu stärken. Je öfter du es schaffst, fokussiert zu bleiben, desto produktiver wirst du sein. Und jedes bewusste Zurückholen der Aufmerksamkeit trainiert diesen „Muskel“.
Probiere gerne folgende Übung aus, die ich bei Chris Bailey gefunden habe: Stell dir einen Timer auf 20 Minuten und nutze diese Zeit, um nur eine einzige Sache zu erledigen. Allerdings musst du vorher genügend Klarheit über die Aufgabe an sich haben. Schaue nach Ablauf des Timers nach, wie viel du in 20 Minuten geschafft hast. Du wirst staunen – vielleicht nicht direkt beim ersten Mal. Aber mit jeder Wiederholung der Übung wird es besser.
Wo es direkt greifbar wird ist dein Haushalt: Beobachte einmal, wie lange du für die Haushaltsführung ohne Timer brauchst. Dann stelle dir den Timer auf 20 Minuten und vergleiche wie viel du jetzt geschafft hast. Bei mir ist der Unterschied signifikant.
Fazit
Produktivität bemisst sich nicht daran, wie beschäftigt oder schnell du bist. Sie bemisst sich an dem tatsächlich erreichten. Wenn du nur eine Sache zur selben Zeit erledigst, kannst du in kürzerer Zeit deutlich mehr schaffen, Stress abbauen, dich besser auf die Arbeit konzentrieren und bessere Entscheidungen treffen. Die Mühe, dies immer wieder zu trainieren, wird sich hundertfach lohnen.
